700 Jahre Kloster Bokelesch Drucken
Geschrieben von: Joachim Bunger   
Mittwoch, den 03. April 2019 um 10:48 Uhr

Johanniterkapelle Bokelesch
In diesem Jahr feiern wir die erstmalige urkundliche Erwähnung des Johanniter Klosters
Bokelesch und somit die älteste urkundliche Erwähnung eines späteren saterländischen
Ortsteils. In mehreren Artikel möchte ich ihnen die Geschichte des Klosters Bokelesch
näher bringen, heute beginnend mit dem ersten Teil:
Von der Gründung bis zur Aufgabe des Klosters.
Das Gebiet der Kommende (Niederlassung eines Ritterordens) Bokelesch entstammt
größtenteils dem Kirchspiel Utende mit Bollingen sowie zum Teil dem Kirchspiel
(Pfarrbezirk) Potshausen und betrug ca. 3000 ha.



Der Stifter ist nicht nachgewiesen, es könnte sich dabei aber um den Grafen Otto von
Tecklingburg (1214–1264) handeln, der als Förderer der Johanniter bekannt war.
Der Johanniter Orden gründete sich 1048 in Jerusalem als Hospitalbruderschaft zur
Betreuung der christlichen Pilger und Pflege der dabei Erkrankten. Später wurde er zum
Kreuzritterorden, dem viele Adelige als Ritter oder Priester beitraten. In den friesischen
Niederlassungen, zu dem auch Bokelesch gehörte, gab es keine Ritterbrüder, da in
Ostfriesland der Adel nicht vorhanden war. Die Friesen waren von je her sehr
freiheitsliebend und wehrten sich gegen jede Art von Bevormundung. Die Kommende
Bokelesch war, wie die zu der Zeit 20 anderen existierenden friesischen Johanniter
Niederlassungen, dem Johanniter Kloster Burgsteinfurt unterstellt. Die Friesen
widersetzten sich erfolgreich den Weisungen aus Burgsteinfurt. Es kam zu einem
Vergleich, dem Groninger Vergleich von 8. 9.1319, in dem erstmalig das Kloster Bokelesch
dokumentiert wurde. Das besondere daran waren die erstrittenen Privilegien, wie das
Recht ihren Komtur (Vorsteher des Klosters) selbst zu bestimmen und auch die Öffnung
für Frauen und vielen Laien. Zu dem Männer-Kloster Bokelesch gehörte auch das Frauen-
Kloster in Osterhausen.
Das Kloster lag nördlich/östlich der noch erhaltenen Kapelle. Die Anlage war ein
Herrenhof, nach einer Art mittelalterlicher Wasserburg. Die Anlage war von Gräben und
Wällen umgeben, die heute eingeebnet sind.
Die Anlage der Ordensschwestern in Osterhausen war ebenfalls eine Art Wasserburg,
allseits von Gräben umzogen. Der Binnenhof war fast quadratisch, das Eingangstor nach
Westen in Richtung Kapelle.
Die Kommende umfasste eigentlich vier Einzelgüter, die aber alle beieinander lagen:
Bokelesch und Ubbenhausen links der Saterems, sowie Osterhausen und
Drey(Roggenberg) rechts der Saterems
Das Ordenshaus Bokelesch wurde wahrscheinlich im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts
gebaut. Seine Bestimmung als Kloster endete, in den Wirren der Reformation, nach 300
Jahren, im Jahr 1587. Die Zerstörung des Klostergebäude erfolgte im „Dreißigjährigen
Krieg“, im Winter 1623, durch die Mansfelder Truppen. Auch die Kapelle wurde stark
beschädigt und erst nach 50 Jahren wieder aufgebaut.
Seit der erstmaligen Erwähnung des Klosters Bokelesch 1319 gibt es zunächst keine
weiteren schriftlichen Aufzeichnungen. Die nächste Erwähnung findet sich in den Akten
des Archivs des Schlosses Lütetsburg. Darin wird 1525 der "Herr Claes, Comthur tho
Bokelesch undt Dunebroek",erwähnt. Bokelesch stand unter der Verwaltung eines eigenen
Komturs, vorübergehend hat folglich eine Personalunion mit dem Johannitergut
Dunenbroek ( Rheiderland) bestanden.
Laut Dr. Reimers erscheint diese Mitversorgung darin begründet zu sein, dass Herr Claes
der alten Kirche treu blieb und deshalb ausnahmsweise von den Ordensoberen die
Verwaltung des bisher von einen für sie unzuverlässigen Komtur geleiteten Duenenbroek
erhielt. (Bilder ostfr. Klöster", Norden 1937). Der Komtur Claes trat in Verhandlungen mit
den Bokelesch benachbarten Utende und Kleinhausen, einer kleinen Ortschaft bei Utende,
die später verschollen ist. Das Vieh der Utender Markgenossenschaft hatte das Korn des
Komturs beschädigt und es wurde vereinbart, dem Komtur den Hengersch für die jährliche
Heuer von 6 Gulden zu verpachten. „Ferner empfängt der Utender Kuhhirte täglich
während der Weidezeit, bis das Korn abgeerntet ist, durch den Komtur das Mittagessen
unter der Bedingung, dass die Viehschäden im Korn des Klosters verhütet werden. Auch
soll vom Komtur eine gute Brücke über den moelen kamp sloth unterhalten werden“.
Bei dem "moelen kamp sloth" handelt es sich um die Grenze zwischen Bokelesch und
Utende. Dort soll sich auch eine Wassermühle befunden haben.
Während die Bewirtschaftung der Grundstücke nach den Berichten etwa 3 Jahrhunderte in
Eigenbewirtschaftung des Komturs ausgeübt wurde und zwar von der Gründung bis nach
1549, wurde später die Verpachtung eingeführt. Dass die Johanniter wenigstens die
Haupthöfe anfänglich selbst bewirtschafteten, wird schon durch die große Zahl der
Knechte und Mägde wahrscheinlich. Mit den Komtur (Name nicht bekannt) waren 1549 im
ganzen 24 Insassen auf Bokelesch: 2 Geistliche, 2 Brüder, 10 Ordensschwestern, 9
Knechte und Mägde.
Im Jahr 1588 wurde das Kloster Bokelesch durch den Komtur Melchior Droste aufgegeben
und für die Ländereien Pächter eingesetzt. In Mai 1588 war Joh. Schemering Verwalter
der Kommende Bokelesch. Er wohnte mit seiner Familie auf der Kommende und war
Vetter des Alexander v. Galen dem Komtur der Ballei Burgsteinfurt. Aus den vorhandenen
Berichten ist zu schließen, dass Melchior Droste der letzte Komtur zu Bokelesch war und
dass mit seinem Ableben die kirchliche Einrichtung eingestellt wurde.
Angelehnt an die Ausarbeitungen von Heinrich Schulte, Friesoythe 1951: Saterland - Ein
Land der Friesen erschienen im Selbstverlag des Schulzentrums Saterland
Für weitere Informationen steht ihnen das Informationszentrum in Bokelesch zur
Verfügung. Öffnungszeiten sind momentan: mittwochs, freitags und sonntags jeweils von
14 – 18 Uhr. Joachim Bunger